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Hinter uns der zweite Tag des Poesie-Festivals SILESIUS

In Wrocław dauert das Internationale Poesie-Festival SILESIUS an. Eine ganze Woche lang, bis zum 15. Mai finden Autorentreffen, Workshops, Konzerte und andere Ereignisse statt. Und das alles hat einen gemeinsamen Link – die Poesie. Gestern haben u.a. der Klub Stary Klasztor, die Synagoge zum Weißen Storch und das Polski-Theater ihre Türen für Teilnehmer der poetischen Begegnungen aufgemacht.

Am frühen Nachmittag trafen sich im Wrocławer Stadtamt Dichter und Direktoren. Jarosław Broda, Krzysztof Koehler, Antoni Pawlak und Mirosław Spychalski – Direktoren, auf deren Konto auch poetisches Werk geht, lasen ihre Gedichte vor und unterhielten sich mit dem Moderator Marcin Hamkało. Sie sprachen über Poesiewerke, Schwierigkeiten mit dem Schreiben und die Rolle des gegenwärtigen Dichters in der Gesellschaft. Das Treffen wurde von ein paar Aktivisten unterbrochen, die gegen die kulturelle Politik der Stadt protestierten und den Rücktritt bzw. Kündigung des jetzigen Kulturamtsdirektors,  Jarosław Broda, forderten. Durch das Einschalten lauter Musik und Lärm machten sie das Gedichtelesen unmöglich, somit die Bitte von Broda ignorierend, dass zuerst das poetische Treffen, zu dem er und die übrigen Autoren eingeladen wurden, abgehalten und danach über Politik gesprochen wird. Der Direktor händigte einer der protestierenden Personen seine Visitenkarte aus und vereinbarte einen Termin. Der Grund für diese Aktion war die Entscheidung von Broda, die bisherige Direktorin des Gegenwartsmuseums Wrocław, Dorota Monkiewicz, des Amtes zu entheben. Aktivisten hatten Banner mit Aufschriften: „Wir wollen nicht in der Kultur waten“ (Anmerkung der Übersetzerin: Wortspiele mit dem Namen, die sich nicht übersetzen lassen), „Wrocław ohne Broda”, „Die Seele eines Poeten wird dem Direktor nicht helfen“ mit. Sie verteilten auch Zettel mit dem Spruch „Broda, ist, war” – eine Anlehnung an das Projekt von Stanisław Dróżdż „war, ist, wird sein”, danach öffneten sie eine Sektflasche und schütteten das Getränk in den Sälen des Amtes aus. Während des Autorentreffens kam es zu einem heftigen Meinungsaustausch, nach dem die Protestierenden das Gebäude verließen. Die eingeladenen Gäste setzten dann ihr Treffen und Gedichtelesen fort, überlegten, wie die Sensibilität einen dazu verleitet, Gedichte zu verfassen und diskutierten über sprachliche Fallen der amtlichen Sprache, die bei poetischem Schaffen stören mag, schließlich auch über die Identität des Dichters per se und seine heutige Rolle in der Gesellschaft. Direktor Marcin Baran teilte mit den anderen ein paar Anekdoten aus der Studienzeit an der Polonistik, Mirosław Spychalski schlug humorvoll vor, eine Anthologie der amtlichen Poesie herauszugeben und Antoni Pawlak stellte seine provokative Idee zum experimentellen Gedicht ganz in der Berufssprache vor – dieses fing an: „Im Promotionsbüro explodierte das Gefühl.... – leider vergas er die Fortsetzung.

Zwischen 16.00 und 20.00 Uhr konnte man diverse Interpretationen von Gedichten und Prosawerken hören, auch einige bisher nicht veröffentlichte Texte von u.a. : Miłosz Biedrzycki, Cezary Domarus, Mirosław Drabczyk, Bogusław Duch, Konrad Góra, Mariusz Grzebalski, Roman Honet, Łukasz Jarosz, Krzysztof Jaworski, Hubert Klimko-Dobrzaniecki, Paweł Kelner Rozwadowski, Marek Kołodziejski, Tomasz Grobelski, Grzegorz Kwiatkowski, Tomasz Majeran, Tomasz Pietrzak, Jacek Podsiadły, Robert Rybicki, Ewa Sonnenberg, Artur Szlosarek, Ilona Witkowska, Przemysław Witkowski, Agnieszka Wolny-Hamkało, Filip Zawada und Adam Zdrodowski. Das einige Stunden dauernde Treffen wurde nicht grundlos „Großes und langes Gedichtelesen“ betitelt. Es wurden auch Texte vorgelesen, die im Eigenverlag der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016 und des Zentrums der künstlerischen Haltungen veröffentlicht wurden - aus der Anthologie der Netzzeitschrift „Helikopter” – Ein Führer durch vermintes Gelände. Das Publikum bewies ein Geduldspotential und das von Krzysztof Śliwka und Marek Śnieciński geführte Treffen verwandelte sich in eine Art Performance.   

Anschließend begaben sich Dichter und Gäste zu einem Konzertort, wo Fanmenge des guten alten Punk ihren Spaß bei der, wie sich rausstellte, unvergessenen Musik der legendären Band DEUTER hatte. Dafür wurde auf der Bühne am Świebodzki des Polski- Theaters im Rahmen der Aktiven  Montage Rozrzucone [Die Verstreuten] von Marcin Kurek vorgelesen. Małgorzata Gorol, Agnieszka Kwietniewska, Ewelina Żak und Michał Opaliński legten mit Augenzwinckern den rührenden Text von Kurek, eine Metapher des heutigen Polens aus und rifeen somit lustige Reaktionen des Publikums hervor. Die Regie für das Stück hat Aleksandra Jakubczak geführt. Bei diesem Treffen waren überraschenderweise sehr viele, denn beinahe 200 Personen anwesend.

Den zweiten Festivaltag beendete ein bewegendes Konzert von Bente Kahan „Only a human being”, d.i. Bente Kahan Poesie von Tadeusz Różewicz singend. Im abgedunkelten Saal der Synagoge zum Weißen Storch führte die mit Wrocław verbundene Sängerin und Autorin zusammen mit ihrer Gruppe Arrangements zu Werken von Różewicz aus. Neben solchen Gedichten, wie „Brief an Menschenfresser”, „Erzählung über alte Frauen” oder „Überlebender” löste ihre Interpretation eines Fragments des Poems Das kleine Messer des Professors – „Züge entfernen sich weiter weg” Tränen der Rührung aus. Nach den Worten „ist das bereits Treblinka / fragt mich ein junges / Mädel/ im Frühling seiner Jahre / ich erinnere mich an / seinen Mund / und Augen wie eine Handvoll Veilchen / das ist Róża aus Radomsk... / (…) wir steigen in Treblinka aus / wie Sie sterbe ich vor Hunger / ich sterbe wirklich / bin so hungrig / habe Bärenhunger / würde entweder eine Karotte / oder eine Kohlrübe / einen Kohlstrunk essen / … und wo fahren Sie hin? Wenn man fragen darf” herrschte im Saal brückende Stille. Das Konzert endete mit stehendem Applaus.

Wir laden zu weiteren Treffen im Rahmen des Internationalen Poesie-Festivals SILESIUS ein. Bereits heute kann man dem Autorentreffen Europäischer Dichter: Rikardo Arregi und Harkaitz Cano – mit gegenwärtigen baskischen Dichtern beiwohnen. Zudem bietet das Programm: Über Gedichte von Witold Wirpsza – ein Gespräch über das Werk des hervorragenden polnischen experimentellen Dichters und das Konzert Jazzformance – Wirpsza: Radosław Krzyżowski, Bartłomiej Oleś, Marcin Oleś, Piotr Orzechowski „Pianohooligan” – Jazzinterpretation der Poeme von Witold Wirpsza.

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