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Trafostation - Projekt von Joanna Rajkowska

Moose, Farne, Efeu, Wasser und Architektur. Das Gebäude als lebendige Skulptur, den Naturkräften ganz überlassen. An der Straße Na Niskich Łąkach 2a in Wrocław entsteht gerade ein ungewöhnliches Projekt  u.d.T. Trafostation – Joanna Rajkowska verwandelt das heruntergekommene modernistische Gebäude der alten Trafostation in ein großes Ökosystem. Projektbeginn: 30. August 2016, 19:00 Uhr. Es laden die Visuellen Künste der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016 ein.

Die Projekte von Joanna Rajkowska rufen immer Emotionen hervor. Meistens enthalten sie mehrere Aspekte und fokussieren sich auf die Arbeit an einem untypischen Ort, der geschichtlich oder ideologisch belastet und durch fehlende Identität, ein Traumaerlebnis oder die Verdrängung gekennzeichnet ist. Sie führen jedoch keine Diagnose durch, geben auch keine fertigen Antworten, schlagen lediglich Lösungen vor und zeigen, wie es sein könnte. Die meisten Projekte entstehen, leben ihr Leben, werden im öffentlichen Raum alt. Ihre Materie ist deswegen nicht nur die Materie sämtliches Daseins, des organischen und nicht organischen, das als Bestandteil fungiert, sondern auch komplizierte Beziehungen.

Dieses Mal beschloss die Künstlerin Joanna Rajkowska im Rahmen des Projekts Wrocław – Eingang vom Hinterhof, das Gebäude der nicht mehr betriebenen Trafostation an der Straße Na Niskich Łąkach 2a unter die Lupe zu nehmen. Das Gebäude wurde in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut, wurde aber in den 90er bereits außer Betrieb genommen. Das Objekt wurde umgewandelt, in Folge dessen ein neues Ökosystem entstanden ist. Die modernistische Architektur wird allmählich von verschiedenen Pflanzen eingenommen, aus zwei Fenstern fließt Wasser heraus. Die Künstlerin hat mit Unterstützung der Spezialisten aus vielen Gebieten u.a. Farne, Efeu, Storchschnäbel, Moose, Spindelsträucher eingepflanzt und in Blumentöpfen Samen ausgesät sowie Bruchbudensetzlinge, d.h. solche, die Flächen bewachsen, die der Mensch veränderte, eingesteckt.  

- „Trafostation” ist als Zukunftsvision entstanden, wenn nicht-menschliche Organismen das Gebäude ganz übernehmen und es in ein funktionierendes Habitat verwandeln werden. Einer der Bezugspunkte hat historischen Charakter, es ist Angst vor Wasser, genauer gesagt, Angst vor Elementen. Wasser und Pflanzen werden als auslösender Mechanismus betrachtet – von ihnen hängt die Gestalt und das Schicksal des Projekts ab. Der vegetative Zyklus ist ein Spektakel außermenschlicher   Kräfte. Es spielt auf der von Architektur geschaffenen Bühne. Und wenngleich dieses Spektakel für Menschen bestimmt ist, sind die Hauptdarsteller und Einwohner des Gebäudes  Organismen, die ein Ökosystem bilden. „Trafostation” ist als eine Geste der Übertragung eines durchaus menschlichen Geschöpfes, der Architektur, anderen Gattungen zu deuten, erklärt Joanna Rajkowska.

Die Projekteröffnung findet am 30. August 2016 um 19.00 Uhr statt. Die Künstlerin ist auch ab 25. August (Donnerstag) 15:00-18:00 Uhr für alle Interessierten da.  Man wird kommen und über das Projekt sprechen können, wie es entsteht und sich ändern wird. Somit werden die Zuschauer die Arbeit an einem solch komplizierten Projekt nachvollziehen und dessen Komplexität kennen lernen können.

Aufführungen und zusätzliche Bedeutungen der Projekte von Rajkowska eröffnen sich meistens erst nach einiger Zeit, während der Gespräche, des Gedankenaustausches mit den Empfängern. So war das auch „Grüße von Aleje Jerozolimskie” oder „Sauerstoffzuführer”. Wir sind gespannt, wie es diesmal sein wird, sagt Natalia Romaszkan, Koordintorin des Projekts Wrocław – Eingang vom Hinterhof, in dessen Rahmen Trafostation umgesetzt wird.

TRAFOSTATION

Projekt, Idee, Konzept: Joanna Rajkowska
Projektumsetzung:
Architektonische Zusammenarbeit: Paweł Karpa
Konstrukteur: Mateusz Bilski
Konsultation, Pflanzenauswahl: Dr Ing. Marta Weber-Siwirska und Magdalena Zelek und Jagoda Podgórska (SKN AK Sektion Grünbotschafter),
Naturuniversität in Wrocław
Realisierung: Marta Krasnopiórko, Patryk Szelawa // Technik im Garten
Zusammenarbeit: Anna Pluta, Krystian Pryłowski, Aleksandra Jach
Hilfe bei der Projektumsetzung: Grünamt: Zarząd Zieleni Miejskiej in Wrocław, Polnische Vereinigung „Dachy Zielone“ („Grüne Dächer”)

WROCŁAW – EINGANG VOM HINTERHOF
Trafostation von Joanna Rajkowska ist ein Teil des Projekts Wrocław – Eingang vom Hinterhof des größten seiner Art Experiments mit einigen Dutzend künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum Wrocławs, insbesondere in Hinterhöfen. All diese Aktivitäten haben 2015 begonnen und werden bis Ende 2016 dauern. Die Künstler verfahren im bestimmten Gebiet so, dass sie mit den Einheimischen finale Lösungen in gemeinsamer Arbeit aushandeln. Das Ziel des Projekts ist das Verantwortungsbewusstsein für den so nahen Raum und doch scheinbar zu niemandem gehörenden, gar verlassenen und heruntergekommenen, zu wecken. In diesem Jahr fokussieren sich die Maßnahmen auf die Wohnsiedlungen: Przedmieście Oławskie, Ołbin, Huby, Kleczków, Kozanów und Brochów. Das Projekt findet im Rahmen der Visuellen Künste der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016 statt.

Mehr Informationen:
Joanna Rajkowska – Künstlerin (geb. 1968 in Bydgoszcz, wohnt und arbeitet in London und Nowogrod). Autorin zahlreicher öffentlicher Objekte, Filme, Installationen, ephemerischer Aktionen und Situationen, die im städtischen Raum realisiert wurden. Ihre Projekte umfassen sowohl architektonische und geologische Phantasien, künstliche archäologische Ausgrabungen als auch Skulpturen, die in Flüssen stehen, Weihrauch oder Geoden, die mit Kristall gefüllt sind. Das bekannteste Projekt der Künstlerin ist bisher Grüße von  Aleje Jerozolimskie (2002), ein Projekt, das zu einem der Symbole Warschaus geworden ist. Ihre öffentlichen Projekte umfassen die Zusammenarbeit mit solchen Institutionen, wie CSW Zamek Ujazdowski (2007, Sauerstoffzuführer,  Polen), Galerie Trafo (2008, Fluglinien, Ungarn), Museum der modernen Kunst Warschau (2009, Schlucht, Polen), The Showroom (2010, Kampfwagen, UK), British Council (2010, Benjamin in Konya, Türkei), VII. Berliner Biennale (2012, Geboren in Berlin, Deutschland), Royal Society of Arts i Arts Council England (2012, Kind Peterborough, UK), Frieze Projects 2012 (2012, Wunder erzwingend, UK), Institute for Contemporary Ideas and Art (2014, Teppich, Schweden) und Wysing Arts Centre, (2015, Projektinstallation Kind Peterborough, UK). Rajkowska studierte in den Jahren 1988-1993 Malerei an der Kunstakademie in Krakau im Atelier von Pof. Jerzy Nowosielski, gleichzeitig studierte sie Kunstgeschichte an der Jagiellonen-Universität in den Jahren 1987-1992. Sie bekam im Jahr 2007 den in Polen hoch geschätzten Preis, den die Wochenzeitschrift „Polityka” (Politik) – Polityka-Pass verleiht –für "ungewöhnliche Projekte, die im öffentlichen Raum realisiert werden, in Reichweite eines durch die Stadt irrenden Menschen" und den Großen Preis der Stiftung der Polnischen Kultur für das Gesamtwerk.

Wrocław – Eingang vom Hinterhof:
www.wroclaw2016.pl/podworze /; www.facebook.com/wejscieodpodworza /

www.instagram.com/wroclaw_wejscie_od_podworza 
Für alle Ereignisse, die im Rahmen des Projekts „Wrocław – Eingang vom Hinterhof realisiert werden, ist der Eintritt frei.

Galerie

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Trafostacja Joanny Rajkowskiej_wizualizacja_.jpg 2

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